Haikus 

               und ganz neu:  


                                        Tankas

von Ingrid und Uli
Im Februar 2020 und 2022  besuchten wir in Ruhpolding einen Fotoworkshop mit dem Titel "Das Haiku und die Stille" von Leica. Hermann Netz inspirierte uns zu den ungewöhnlichen Fotos und  Texten. Auch in den Jahren 2024, 2025 und 2026 besuchten wir wieder diesen Workshop. Die Ergebnisse sind weiter unten zu sehen.

Das Innenleben
der Buchen offenbart sich
erst nach dem Sägen 

Uli

In der weißen Weite
abgebrochen und gebeugt 
wächst junges Leben

                                                                                                                                             Ingrid

Ein Dreieck im Schnee
gehalten vom zarten Halm
kann das wohl dauern

Ingrid

Schneeige Berge
spiegeln sich vage sogar
im Abraum am Weg

Uli

Im glatten See
spiegeln sich erste Berge
Vorfreude auf mehr
 

Ingrid


Glitzernder Tropfen
erst Wasser am glatten Halm
jetzt zu Eis erstarrt

Ingrid

Die Kamera macht
aus der wilden Welle Schwung
zartes Gemälde

Ingrid

nieselnder Regen
die Tropfen sehen wir nicht
doch spürt sie die Haut

Uli

Die Flechten am Steg
sind Anzeichen für den Weg
zurück zur Natur

Uli

erster Schritt im Schnee
wohin, wofür, warum
wer löst das Rätsel

Uli

Fünf Bäume im Schnee
sind gerade von uns gegangen
auch Leben vergeht

Uli

Die streichelnde Luft
schlängelt die Winterhalme
am Ufer des Sees 

Uli

Das Auge im Baum
sieht Dich an wie ein Wesen
das Dich längst schon kennt
 

Uli

Im glitzernden Schnee
zeigen die Sonnenstrahlen
des Wassers Rande

Ingrid

Kunst mitten im Wald?
Das Fotoauge fängt ein,
was der Förster lässt

Uli

Mit grauen Blüten
bezeugen Flechten am Baum
den feuchten Winter

Uli

Am moosigen Baum
sieht das suchende Auge
Farb-Wunder im Wald

Uli


Rote Blätter feucht
tragen die Maske aus Schnee
wie lange noch?

Ingrid

Naturgeformte
museale Rindenmuster
türkis umrandet

Uli

Gelb leuchtet am Baum
im schneeig kalten Winter
das Licht der Flechten

Ul

Das Schmelzen des Schnees
macht aus glänzender Schönheit 
vergängliches Grau

Uli

Zarte Schönheit
Trocken im glitzernden Schnee
Auch hier Vergänglichkeit

Ingrid

Der Bäume Schatten
Im gleißenden Weiß des Schnees
Welch schneller Wandel


Ingrid

Dornen im Winter
wie bei Akazien geformt
Bild ferner Reisen

Uli

Aus grauem Wasser 
steigt ein glitzernder Diamant
welch schöner Moment
                                                                                                                                                 Ingrid

Pfeilschnell durch die Luft
taucht die Wasseramsel ein
sie ruht, welche Freude
                                                                                                                           Ingrid

Der Schimmel am 
Schornstein belegt 
die schwülen Wechsel der Jahreszeit

Uli

Herbstbuntes Blattwerk
Fest gehalten vom Eise
Sonne wird kommen


Ingrid

Wer kann entdecken
Im vermoderten Holze
Der Jungfrau Schönheit


Ingrid

Gefallen auf Stein
Umspült vom braunen Wasser
Gerippe vom Blatt


Ingrid

Der schattige Umriss
betont das Lichte
der Gestalt

Uli

Gewachsen- genutzt
sucht neues Leben sich Halt
sichtbar durch weißen Schnee
                                                                                                                      Ingrid

Früher gerade und stark
geknickt durch den schweren Schnee
ist Anmut noch sichtbar

Ingrid

Trotz Winterkälte
rinnt perlender Wasserstrahl
aus altem Holze

                                                                                                                            Ingrid 2022

Gewaltsam entblößt
liegen riesige Stämme
bereit zum Transport

                                                                                                                            Uli 2022

Wie lange schon ruft
der verlorene Handschuh
die, der er gehört

                                                                                                                           Uli 2022


Kleiner Farn am Stamm
welcher Weg führt dich dahin
Wunder des Leben
                                                                                                     Ingrid 2022

Weiße Winterpracht
über trennenden Drahtzaun
macht Schritte möglich
2022

Ingrid

in Winterkälte
bildet Rinde den Humus
für Lebensperlen
2022

Ingrid

Fransiger Baumpilz
anders gestaltet als wir
sagt er uns etwas?

 Uli 2022

Moosblüten entdeckt
das Auge der Kamera
dem, der lange schaut

Uli 2022


ein Boot beladen
 mit kostbarem Diamant
und doch vergänglich
2022

Ingrid


drei alte Köpfe
gewachsen aus jungem Grün
bestimmt durch die Form
2022

Ingrid


felsiger Hafen
Bilder früherer Seefahrt
durchstreifen den Sinn

Uli 2022


ein Fabelwesen
aus verwunschenen Welten
entsteigt den Fluten
2022

Ingrid

Morgenstimmung vom Fortbildungs-Seminarhaus in Ruhpolding 2022


Das Haiku und die Stille

Fotoworkshop im Kloster Maria Eck 

Auch im Februar 2024 nahmen wir wieder an dem Fotoworkshop
 "das Haiku und die Stille" mit Hermann Netz. Dieses Mal fand es im Kloster Maria Eck in der Nähe von Siegsdorf statt. 

An alter Narbe
schimmernd im Abendglanz
                             sprießt neues Leben                              

Ingrid

verbogener Ast
nach oft stürmischen Zeiten
spiegelt das Schicksal

Uli

Im fahlen Lichte 
unwirkliche Geweihe
Zauber der Flechten

Ingrid

Seltsame Farben
auf dem ältlichen Baumstumpf
bieten uns Sitzplatz

Uli

kräftige Schnitte
im alten moosigen Stamm
was wird da sichtbar?

Ingrid


Ingrid hält inne
auf der steinigen Treppe
nimmt Wichtiges auf

Uli


Im zarten Windhauch
doch ein Moment der Ruhe
für die drei Halme

Ingrid


Schnee auf dem Grünen
glitzernde Spuren des Winters
erfreun uns noch jetzt

Uli


Farbengeplätscher
umspült mit lieblichem Klang
den felsigen Stein

Uli


Zum Licht bewegt sich
die vertrocknete Schönheit
strahlt in neuem Glanz

Ingrid


Auch wieder ein Halm
im schmutzig glitzernden Schnee
endlich gefunden

Ingrid


der krumme Nagel
erzählt seine Geschichte
wir fühlen sie mit

Uli


Gefällt im Winter
rote Markierung am Stamm
Ende und Anfang

Ingrid


Strahlen der Sonne
brechen das Dunkel vom Wald
welch Glückseligkeit

Ingrid


Ein Fenster zum Hof
dahinter Geheimnisse?
spiegelt im Regen

Ingrid


Tief in Gedanken
über das Schicksal der Welt
kennt er seinen Weg

Ingrid


Still liegt das Kieskreuz
zwischen trockenen Stauden
im Winter ganz stumm

Uli


Einst feste Mauern
beschädigt vom Zahn der Zeit
gibt es noch Rettung?

Ingrid


Menschliche Hände
gefangen in großer Not
ist das die Wahrheit?

Ingrid


Stille des Schlosses
Reichsdeputationshauptschluss
Achtzehnhundertdrei

Uli


Ein Blinken des Lichts
befreit werden vom Bösen
für einen Moment

Ingrid


Wieviele Hände
ließen hier Spuren zurück
schau auf das Schwarze

Ingrid


Goldene Blume
mit zerbrochener Hülle
zeigt herrlichen Stein

Ingrid


Ruhende Spinne
hat ihr Netz im Klostergang
ganz still neben uns

Uli


Morgenhimmel in Maria Eck


Im Kloster Maria Eck 2025

Dieses Mal hat es endlich einmal wieder geschneit. So konnten wir ganz andere Eindrücke festhalten.

kahl-dunkle Bäume
verzaubert durch weißen Schnee

      welch himmlische Schönheit     
Ingrid

schneeweiß- wintergrau
letzte herbstliche Blätter
zeigen noch Farbe
Ingrid

auf kalter Erde
hinter dem Hügel ein Kreuz
sagt, was wir brauchen
Ingrid

still steht das Felskreuz
zwischen wartenden Sträuchern
im Kräutergarten
Uli

Schneekristalle zart
mit Sorgfalt doch gefunden
was steckt dahinter?
Ingrid

zum armen Kloster
durch Vogelfutter gelockt
der schöne Dompfaff
Ingrid

Dompfaff, Bergfink und
Erlenzeisig am Futterhaus
im Klostergarten
Uli

wer schafft diese Kunst?
Kälte, Wasser, Luft und Holz
ganz aus sich selber

Ingrid

der farbige Fuß
der schneebedeckten Sitzbank
am Klosterbergweg
Uli

den Tropfen folgend
erscheint ein Iglu aus Eis
welche Entdeckung
Ingrid

von Schnee beladen
spürt man die knospende Kraft
Frühling ersehnend
Uli

auf den Beeren Schnee
schwarz-rot und glitzerndes Weiß
Schneewittchens Farben
Ingrid

Fliege im Winter
schwebt am eisigen Fenster
weiß nicht ein noch aus
Uli

ob der Wandrer ahnt
welch Abgrund neben ihm
sich da bald aufreißt
Ingrid

Das Haiku und die Stille 

Fotoworkshop im Februar 2026 im Kloster Maria Eck

Wieder trafen sich motivierte Fotografen, um sich von Hermann Netz wieder zu ungewöhnlichen Fotos mit passenden Texten inspirieren zu lassen. In diesem Jahr fuhr ich allein hin. 
Das Foto zeigt den Morgenhimmel beim Kloster.

ein tröstendes Licht
als heller Punkt im Dunkeln
bringt stille Hoffnung

zartes Spinnennetz
alter Staub macht es sichtbar
zu Gottes Ehren?

grauer Regentag
bunt glänzendes Buchenblatt
wie kostbar ist das

wildes Wolkengrau
noch stehen die Halme still
Sturm wird bald kommen

zarter Schaum am Rand
getragen von buntem Blatt
bewegt durch Wasser

Geisterbaum so hell
die Konturen nur ahnend
erscheint uns ganz fremd

warm bunte Steine
um hell schimmerndes Perlmutt
welch sanftes Glänzen

Schilf wiegend im Wind
Samenfäden wie Wolken
geh'n auf die Reise

Blick auf den Tropfen
mit aufgeregtem Warten
fällt er am Ende

in Liebe vereint
und doch zwei Wesen getrennt
gibt neues Leben

Schneemaske auf Gras
passend zu den Faschingstagen
doch das Ende naht

Nature Art und Tanka

Das war der Titel des Workshops von Hermann Netz im Juli 2026 im Kloster Maria Eck. Die Aufgabenstellung war die gleiche wie bei den Haikus. Nur war das Gedicht zwei Zeilen länger, also 5-7-5-7-7 Silben. Eine neue Herausforderung! 

zarte Prinzessin
in gras-grüner Umgebung
fedrige Blätter
helfen bei großen Schmerzen
nicht nur den weisen Frauen

vergangen der Traum
von der prachtvollen Schönheit
der stolzen Rose
siehst du nicht auch im Vergehen
den wilden Reiz der Falten

Sommerblumenmeer
im bunten Klostergarten
lockt diese Hummel
zur großartigen Fülle
welch ein Geschenk der Natur

ein Schatz auf der Alm
übersät mit Glitzerstaub
nur wenn du hinschaust
kannst du mit Stolz entdecken
das purpurne Knabenkraut

staunend bewundert
Schmetterlinge in Fülle
erst auf der Distel
zeigt sich in ganzer Schönheit
der mit des Kaisers Mantel

woher kommt dein Name
ein kaiserliches Zeichen
kann ich nicht finden
kein Purpur, kein Hermelin
keine Lösung des Rätsels

künstliches Dunkel
macht sichtbar Farbe und Form
wilde Strahlenpracht
ist Heimstatt für die Wanze
freudige Überraschung

Zauberhaar am Baum
zeigt dessen langes Leben
Blätter wie Leder
umringen den alten Stamm
bieten auch Schutz für Leben

einst stolz gewachsen
im Grünen seit alter Zeit
doch jetzt gebrochen
obwohl der Lauf des Lebens
sehen wir Lebendigkeit

die Früchte reifen
wir erwarten süßes Blau
doch diesem Flatterwesen
reicht das vorhandene Nass
bis es abhebt zum Nächsten

im trockenen Wald
ein helles Glitzern am Weg
Tropfen gesammelt
getragen vom grünen Blatt
vage Hoffnung macht sich breit

an heißen Tagen
leises Plätschern - Sehnsuchtslaut
im hölzernen Trog
schafft der Wasserstrahl Blasen
doch wir sehen Gespenster